Best Practices in der Praxis etablieren

DICO legt ersten Compliancestandard für Geschäftspartner Compliance vor

Von Sarah Arnold

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Hintergrund
Der Druck steigt, die Erwartungshaltung gegenüber Compliancesystemen wächst, Sanktionsrahmen werden erhöht – doch was wird konkret gefordert? Häufig verbleiben Unternehmen in der Unsicherheit und sind sich selbst überlassen. Wo derzeit vorhandene Standards auf einer abstrakten Ebene verbleiben, möchte der ­DICO diese Lücke schließen. Durch eine neue Art der Zusammenarbeit mit dem Viadrina Compliance Center werden die bisher durch die Mitglieder der Arbeitskreise erarbeiteten DICO-Leitlinien auf ein wissenschaftliches Fundament gestellt. Damit wird das Ziel erreicht, das sich der DICO schon zu Gründungszeiten ins Aufgabenheft geschrieben hat: Compliancestandards zu setzen, an denen sich sowohl Unternehmen als auch Justiz sowie Verwaltung orientieren können. Zwar kann der neue DICO-Standard im Vergleich zum IDW PS 980 oder zu A-Normen der ISO nicht als solcher zertifiziert werden, er kann jedoch im Rahmen eines Testats auf Basis einer zertifizierbaren Norm berücksichtigt werden.
Dass das Element der Geschäftspartner Compliance wegweisend vorangeht, kommt nicht von ungefähr. Eine DICO-eigene Umfrage zur Durchführung von Drittparteienprüfungen ergab ein heterogenes Bild. Der Umsetzungsstand variiert zwischen den befragten Unternehmen selbst innerhalb einer Branche stark. Dabei sind die Konsequenzen für das eigene Unternehmen aufgrund Zuwiderhandlungen Dritter hoch. Zunehmend werden Organisationen für Gesetzesverstöße ihrer Geschäftspartner – wie Handelsvertretern oder Joint-Venture-Partnern – zur Verantwortung gezogen. Behörden machen von der Möglichkeit Gebrauch, Auftraggebern das Fehlverhalten ihrer Geschäftspartner zuzurechnen, insbesondere wenn ihnen der Zugriff auf die eigentlichen Täter verwehrt ist.

Umsetzung
Von den Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Complianceverstößen durch eigene Mitarbeiter sind viele allgemein bekannt und gut etabliert. Wie man sich jedoch von der Zurechnung des Verhaltens Dritter freimachen kann, dafür will der „DICO-Standard Geschäftspartner Compliance“ Orientierung geben. ­Adressatengerecht gegliedert, mit Fokus auf Planung, Implementierung und die sich anschließende Evaluierung, richtet sich der Standard an Praktiker für den Aufbau eines Geschäftspartnerprüfungssystems und für die Verbesserung oder die Bewertung vorhandener Prozesse. Durch den stets risikoorientierten Ansatz können Ressourcen optimal auf die wesentlichen Risiken konzen­triert werden, um eine maximale Effizienz zu erzielen. Ein weiterer Vorteil daraus ist, dass der Standard damit sowohl unabhängig von der jeweiligen Branche als auch der Größe der Organisation ist.
Beispielsweise mögen Provisionsempfänger in vielen Fällen zu den Arten von Geschäftspartnern mit den potentiell höchsten Risiken unlauterer Geschäftspraktiken gehören, doch nicht jedes Unternehmen setzt solche Dienstleister gleichermaßen ein. Und auch nicht jede Art von Provisionsempfängern unterliegt derselben Eintrittswahrscheinlichkeit für Fehlverhalten oder derselben Ausprägung des jeweiligen Risikos. Aus diesem Grund bietet der Standard zu Geschäftspartner Compliance die Möglichkeit, notwendige Compliancemaßnahmen individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse zuzuschneiden.

Ausblick
Der Standard für Geschäftspartner Compliance ist letztlich nur der Beginn einer Reihe von Compliancestandards des DICO. Auch der Standard 04 für interne Untersuchungen wurde bereits veröffentlicht. Auf Basis weiterer bereits vorhandener Leitlinien wird aus den Arbeitskreisen heraus in Kooperation mit dem Viadrina Compliance Center daran gearbeitet, in Anlehnung an Best Practices aus der Wirtschaft Maßstäbe für die Compliancearbeit zu setzen. Gerade im Hinblick auf das vieldiskutierte Verbandssanktionengesetz werden sämtliche Interessengruppen von den Standards profitieren, und die Compliancekultur in Deutschland kann den nächsten Reifegrad erreichen.

Sarah.arnold@rkw-group.com